Mehr geht im Moment nicht – weniger dürfen wir nicht.

Von Martin Landolt, Nationalrat und Präsident BDP, GL.

Man kann über die «Altersvorsorge 2020» endlos komplizierte Dinge schreiben, und sie umfasst tatsächlich ein paar sehr komplexe Inhalte. Dennoch ist es eigentlich ganz einfach: Wer nichts verändern will, wird auch verlieren, was er bewahren möchte. Und wer nicht bereit ist, halt auch mal den berühmten kleinen Finger zu reichen, der bewegt sich überhaupt nicht mehr. Auch ist die Frage wenig hilfreich, wer jetzt genau wie stark betroffen ist. Unsere Vorsorgewerke hätten ohnehin nie geschaffen werden können, wenn jeder immer nur für sich geschaut hätte…

Und ja: Wenn ich ganz alleine auf dem Reissbrett meine eigene Reform – entlang von klaren ökonomischen Fakten – hätte entwerfen dürfen, dann sähe diese anders aus. Aber das ist Theorie und bringt uns nicht weiter. Vielmehr entspricht es einer Tatsache, dass dieses Land seit über 20 Jahren keine Reform der Altersvorsorge mehr gesehen hat. Keine! – Und es entspricht ebenfalls einer Tatsache, dass wir hier auf einen Kollaps hinsteuern, wenn nicht bald etwas geschieht.

Und ja: Diese Reform mag nicht perfekt sein; aber sie ist eine Reform. Sie ist ein pragmatischer Kompromiss, für den im Parlament hart gerungen worden ist. Mehr geht im Moment nicht; weniger dürfen wir nicht. – Und nein: Diese Reform löst nicht sämtliche Probleme. Aber sie bringt uns einen Schritt weiter. Zudem gewinnen wir Zeit und ebnen den Weg für weitere Reformschritte. – Und ja: Solche werden nötig sein.

Ein Verzicht auf diesen ersten Reformschritt verunmöglicht weitere Reformen. Dann wird der Reformstau derart erdrückend, dass er die Zukunft unserer Altersvorsorge fundamental gefährdet. Deshalb sollten diejenigen, welche diese Reform mit Vehemenz bekämpfen, unbedingt an die nächsten Generationen denken – und nicht einfach nur an die nächsten Wahlen…

Erschienen am 07.08.2017 in der Südostschweiz Graubünden.